IDEATORS.

IDEATOR.

Ein Ideator ist eine Person, die Ideen findet.
Nicht mehr und nicht weniger.

Wie das funktionieren könnte, kommt etwas später. Erst die Frage: Ist das Thema bei dieser Fähigkeit entscheidend? Kann jede Person eine Idee zu Quantenphysik oder Tiefseebiologie entwickeln?

Wenn man weder Quantenphysikerin noch Tiefseebiologin ist, tendiert man schnell und gewiss zu der Antwort: Nein, das kann ich als Nicht-Wissender ganz und gar nicht. Und schon ist der Fall geschlossen. Oder eben auch nicht.

Zu einfach wäre dieser Wissen / Nicht-Wissen Ansatz. Zu einfach wäre das Postulat, nur jemand mit Fachwissen kann in einem bestimmten Wissensgebiet Ideen finden. Es mag helfen, ist aber keine conditio sine qua non. Jeder kann zu allem eine Idee finden. Voraussetzung ist Verständnis für die Sache. Wird einem ein Themengebiet so verständlich dargelegt, dass man sich mit Verstand und Vernunft hineinversetzen kann, ist Ideen finden möglich.

Denn was ist eine Idee? Gehorcht Ideen finden vielleicht immer einem ähnlichen Vorgang? Manchen Philosophen sagen, dass die Fähigkeit aus einer Vielzahl von Erfahrungen zu abstrahieren hilfreich ist, aber nicht wirklich die Welt der Ideen erreicht. Auf jeden Fall ermöglicht die Abstraktion einen Überblick, der Verbindungen erkennen lässt und Strukturen verdeutlicht. Doch gilt es, die Welt des aus Erfahrungen abgeleiteten Denkens zu verlassen.

Kann ich denken, was ich bisher noch nicht gedacht habe und zu dem ich auch keine Verbindung aufbauen kann? Axiome sind der Schlüssel hierbei. Kenne ich meine Axiome? Kann ich sie identifizieren und bewußt benennen? Und im nächsten Schritt, kann ich mit meinen Fähigkeiten, die auf meinen aktuellen Axiomen fußen, Axiome definieren, die andere Fähigkeiten ausprägen würden? Hier betreten wir den Raum der Intuition, der Vorstellungskraft, des Klaren im Nebulösen. Und das kennt und kann jeder. Dort unterwegs zu sein, ist eine Frage des Zulassens und Anreicherns. Diesen Weg beschreitet man am Besten in Begleitung. Denn im Dialog läßt es sich trefflich in den Mythos eintauchen, der die Türen zu neuen Gestalten öffnet.

MUSTERBRECHERIN & BRECHER.

96.300 Treffer bei Google in 0,68 Sekunden.
Ich dachte, es wären mehr. Immerhin ist das Geregelte in Deutschland sehr beliebt. Daher dachte ich, sei die Gegenbewegung ebenfalls stark. Weit gefehlt.

Möglicherweise ist es keine gute Idee, sich in Deutschland Musterbrecher zu nennen. Es könnte als umstürzlerisches Geschäftsmodell angesehen werden. Ein Muster ist schliesslich etwas Gutes. Gut sind auch Routine, Regel, Gleichförmigkeit, Einigkeit, Struktur. Unterschiedliche Regeln zu dem selben Thema werden in Deutschland mit dem Wort Flickenteppich belegt. In der Stimme schwingt dann auch sofort das Chaos der apokalyptischen Reiter mit. Folglich könnte es als Musterbrecher schwer sein,
sein Brot zu verdienen. Vielleicht daher nur 96.300 Treffer.

Aber fragen wir uns doch mal, ob Musterbrecher gleichzusetzen ist mit der Fähigkeit, Ideen zu entwickeln? Zum einen ist brechen brachial und negativ. Es geht etwas kaputt. Entsteht dabei automatisch etwas Neues? Zum anderen sagt Platon, dass eine Idee eher wie ein Muster für eine abbildbare Vielheit ist. Damit wird ein Musterbrecher zu einem Ideenbrecher.

Ideen finden ist schöpferisch. Es ist leichtfüßig, ist fröhlich. Finden ist immerhin etwas Gutes. Wir streben alle immer danach etwas zu finden: Glück, den idealen Partner, Seligkeit, El Dorado, den Jungbrunnen, Sinn. Finden ist gut. Suchen ist mühsam. Brechen ist schwere Arbeit. Muster sind gut. Sie sind es, die die Existenz des Menschen erträglich machen. Ich ziehe mich jeden Morgen nach einem Muster an. Ich erkenne das Gemüse auf dem Markt nach einem Muster. Ich richte mich ein, nach einem Muster. Und so geht es weiter. Nur wenige Muster möchte ich bewußt erkennen und ändern. Was ich möchte ist an ihnen arbeiten, um sie zu verfeinern, zu überdenken, zu verabschieden, zu ersetzen – nicht wirklich brechen. Gut wäre in diesem Prozess ein Musterbesprecher oder -reflektierer. Ja, das wäre eine Berufsbezeichnung, die ich willkommen hieße.
 

QUERDENKER & DENKERIN.

DuckDuckGo zeigt keine Suchresultate an.
Bei Google sind es 1.130.000 innerhalb von 0,47 Sekunden. Einemillioneneinhunderdreißigtausend Einträge zum Thema Querdenker. Das bedeutet, dass circa 4 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland (Stand 04.2020) querdenken können und sich damit beschäftigen. Wie geht das? Und geht das?

Die Aufgabe von Querdenkern ist, Gedanken zu generieren, die quer zum konventionellen Denken liegen. Diese Gedanken sind also andersartig in ihrem Charakter. Möglicherweise könnte man diese Gedanken auch Ideen nennen und ihnen einen Aspekt des Neuartigen zuschreiben. Bei der großen Zahl von Menschen, die dies tun, wäre Deutschland wahrhaftig wieder ein Lander der Denkerinnen und Denker, auch wenn dieses Denken nur eine Richtung hat: quer.

Warum quer?
Warum nicht kreuz oder spiralförmig oder elliptisch oder mäandernd? Kann man immer nur quer denken, wenn man anders denkt? Und wenn man immer in die gleiche Richtung, nämlich quer, denkt, ist das dann nicht schon ein wenig vorhersehbar und berechenbar? Wird das Quer dann nicht zum neuen Gerade und ruft dieses dann nicht nach einem neuen Quer, welches das alte Quer-Gerade wiederrum in neue Bahnen lenkt?

Und was macht ein Querdenker eigentlich morgens?
Wie schläft eine Querdenkerin?
Wie träumt eine Querdenkerin?

Es ist immer ein wenig heikel, einer Sache einen Stempel zu geben. Damit ist die Schublade schon fertig, in die sie gelegt wird und still ruht. Die Energie ist raus. Der Reiz des Abenteuers verblasst im Zwielicht. Schade. Denn Ideen finden ist eine Explosion. Eine Explosion in eigener Zeit. Eine Explosion an kindlichem Spieltrieb. Eine Explosion an Freude und Licht und Leichtigkeit, die entweder passiert oder nicht, wenn man es möchte.